Quartierverein Kempten

Wetziker Grossstadtdenken in den 1960er Jahren

Um den Ochsenplatz herum sah man bereits Wolkenkratzer, die das Eingangstor zur Oberlandstadt markierten. Eine durchgehende Ladenstrasse von Kempten bis Unterwetzikon erschien in Plänen und Skizzen. Massgebende Wetziker Politiker sprachen mit vor Begeisterung erregter Stimme von Wetzikons glanzvoller Zukunft.

Den alt eingesessenen Einwohnern wurde der Kragen zu eng, wenn sie an die Umkrempelung ihrer engsten Heimat dachten. Ein Unbehagen, das immer beängstigender wurde lag in der Luft. Der Einzelne war nicht mehr in der Lage, Gegensteuer in Richtung einer massvolleren Entwicklung zu geben. Der Zusammenschluss im Quartierverein war der Ausweg.

Nach der Vereinsgründung las man kritische Bemerkungen in der Tageszeitung. Die Vorstands-Mitglieder wurden als «Sonderbündler» bezeichnet und argwöhnisch beobachtet. Eingaben an Behörden wurden – wenn überhaupt – recht überheblich beantwortet. Dieser unerfreuliche Stil hielt bis in die 1970er Jahre an.  Mit der Zeit aber merkten auch die Politiker, dass der Quartierverein Kempten – wenn nötig – in konstruktiver Opposition stand und stets Hand bot für vernünftige Lösungen in wichtigen Fragen.

(Quelle: Festschrift 25 Jahre Quartierverein Kempten, 1992)